Die EURO 2014

Nur noch wenige Wochen, genau bis zum 3. März, bleibt den europäischen Mitgliedsverbänden Zeit, sich bei der UEFA für die Austragung der Fußball-Europameisterschaft im Jahr 2024 zu bewerben. Drei Bewerbungen liegen bereits vor, wobei jede jetzt noch folgende eine Überraschung für die Fußballwelt sein dürfte. Die tatsächliche Vergabe soll dann im Herbst 2018 erfolgen. Nach dem noch ausstehenden Jubiläumsturnier 2020, bei dem in 13 europäischen Ländern gespielt wird, soll die 17te Fußball-Europameisterschaft im Jahr 2024 wieder in gewohnter und bewährter Weise in einem oder zwei Mitgliedsländern stattfinden. So dachte man bis zum Frühjahr 2016 zumindest…

Die Bewerber um die Kandidatur der Austragung 2024

Neben der fast schon obligatorischen Bewerbung der Türkei, die sich bereits das fünfte Mal in Folge um die Austragung der Fußball-Europameisterschaft bemüht, bekräftigte der DFB als einer der führenden Verbände bereits im Oktober 2013 die Bereitschaft zu einer Bewerbung. Seit März 2016 steht nun offiziell fest, dass es noch weitere Interessenten gibt. Die nordeuropäischen Länder Norwegen, Schweden, Finnland und Dänemark haben sich zu einer Gemeinschafts-Bewerbung für die EURO 2024 entschieden. Eine ausgesprochen unkonventionelle Bewerbung, allerdings nicht ohne einen gewissen Reiz, bildet doch die skandinavische Halbinsel eine besondere, in Europa vielleicht einzigartige, Einheit. Erfahrungen in der Austragung großer Fußballturniere können lediglich die Schweden vorweisen, die bereits die Weltmeisterschaft 1958 sowie die EM 1992 austragen durften.

Über weitere mögliche Bewerbungen zur EURO 2024, etwa von niederländischer, italienischer, schottisch-irischer oder estnisch-russischer Seite war es zuletzt still geworden.

Dublin, die Hauptstadt Irlands. Fireglo / Shutterstock.com

Die Teilnehmer der EURO 2024

Jeder der derzeit 55 Mitgliedsverbände innerhalb der UEFA ist berechtigt, an der Qualifikation zur Endrunde teilzunehmen, die im Sommer 2024 stattfinden wird. Die Qualifikation selbst wird vermutlich, wie gewohnt, bereits im jeweiligen Vorjahr, also im Laufe des Jahres 2023, ausgetragen. Es ist geplant, ebenso wie schon zur EURO 2020, dass sich 4 Teams auch über die Qualifikation der UEFA Nations League qualifizieren werden. Die Einführung dieser Regel soll es vor allem den kleineren Verbandmitgliedern ermöglichen, an den größten UEFA-Turnieren teilzunehmen.

Von den 47 europäischen Staaten sind bisher lediglich Monaco und die Vatikanstadt nicht in der UEFA vertreten. Einige Staaten, darunter das Vereinigte Königreich, stellen bekanntermaßen aus historischen Gründen mehrere Nationalmannschaften. Von 1954 bis 1990 waren durch die innerdeutsche Teilung auch zwei deutsche Nationalteams Mitglied der UEFA.

Die Gruppenphase der Endrunde werden, wie erstmals in Frankreich 2016, insgesamt wieder 24 Mannschaften erreichen können.

Die Fans des amtierenden Europameisters Portugal. De Visu / Shutterstock.com

Die Vorrunde

Diese 24 Nationalmannschaften werden nach der Qualifikation zur EURO 2024 zunächst nach ihrem UEFA-Klubkoeffizienten in vier Gruppen à sechs etwa gleichstarke Teams eingeteilt. Diese vier Gruppen bilden ihrerseits die vier Lostöpfe für die Wahl der jeweiligen Gruppengegner, wobei hinterher jede EM-Gruppe jeweils eine Mannschaft aus jedem Lostopf 1-4 enthält. So ergeben sich die EURO 2024 Gruppen A-F, in der jedes Team zunächst innerhalb seiner Gruppe drei Spiele gegen die anderen Gruppenmitglieder zu bestreiten hat. Die Vorrunde der kommenden Fußball-Europameisterschaften besteht also immer aus 36 Spielen, bevor es für die 16 erfolgreichsten Mannschaften in die K.O.-Runde des Turniers geht.

Die K.O.-Runde

Die K.O.-Runde der Fußball-Europameisterschaften begann bis zuletzt zur EURO 2012 mit dem Viertelfinale für insgesamt nur acht Mannschaften von ursprünglich 16. Seit der EM 2016 in Frankreich wird mit dem Achtelfinale begonnen, jedoch geht ab hier für jede verlierende Mannschaft das Turnier sofort zu Ende. Ein Spiel um Platz drei hatte es bei einer EM zuletzt 1980 gegeben. Da nun 16 Mannschaften das Achtelfinale erreichen können, die Gruppenersten und –zweiten aus sechs Gruppen aber nur 12 Mannschaften stellen, haben auch vier Gruppendritte die Möglichkeit, die K.O.-Runde zu erreichen, die nach den Kriterien Punktezahl, Tordifferenz, Toranzahl, Fairplay und zuletzt dem UEFA-Koeffizienten ermittelt werden. Aus 16 Achtelfinalisten ergeben sich acht Sieger für die Viertelfinalspiele, bis am Ende das Finale der letzten zwei Mannschaften des Turniers steht.

Die UEFA EURO und ihre Sieger

Den Titel des ersten „Europapokal der Nationen“, dem geistigen Vorreiter der heutigen Europameisterschaften, gewann 1960 die Nationalmannschaft der Sowjetunion, nachdem sie sich gegen die drei anderen Erstteilnehmer der Endrunde Jugoslawien, Tschechoslowakei und Gastgeber Frankreich durchgesetzt hatte. Erst mit dem Turnier von 1968 in Italien, wurde der heute noch gültige, offizielle Name „Fußball-Europameisterschaft“ oder kurz „EURO“ verwendet. Seither ist von Seiten der UEFA viel experimentiert und optimiert worden. Turniermodi wurden verändert, das Elfmeterschießen zur Ermittlung des Siegers in K.O.-Spielen eingeführt, ebenso wie die Golden-Goal- und Silver-Goal-Regelung (und kurz darauf wieder abgeschafft).

JahrAustragungslandSieger
1960FrankreichSowjetunion
1964SpanienSpanien
1968ItalienItalien
1972BelgienBR Deutschland
1976JugoslawienTschechoslowakei
1980ItalienBR Deutschland
1984FrankreichFrankreich
1988BR DeutschlandNiederlande
1992SchwedenDänemark
1996EnglandDeutschland
2000Belgien/NiederlandeFrankreich
2004PortugalGriechenland
2008Österreich/SchweizSpanien
2012Polen/UkraineSpanien
2016FrankreichPortugal
2020europaweit?
2024??

Außerdem ist die UEFA, und mit ihr die EURO, seither stetig gewachsen. Noch bis 1976 bestand die Endrunde lediglich aus vier Teilnehmern und wurde seither schrittweise 1980 um eine, 1996 um zwei und zuletzt 2016 erneut um zwei weitere Gruppen zu je vier Mannschaften erweitert. Somit kämpfen nunmehr 24 Mannschaften innerhalb der Endrunde alle vier Jahre im über vier Wochen laufenden Turnier um den begehrtesten europäischen Fußballtitel im Nationalmannschaftsbereich.

Zehn verschiedenen Nationalmannschaften ist dies bisher gelungen, nur drei von ihnen mehr als ein Mal. Den Titel des Rekordsiegers der Fußball-Europameisterschaft mit je drei Turniersiegen teilen sich seit 2012 Deutschland und Spanien, wobei Frankreich die einzige Nation mit bisher zwei EURO-Titeln ist. Der amtierende Europameister Portugal, erst seit 1996 durchgehend für die Endrunde qualifiziert, kann seit 2016 zum ersten Mal den Titel für sich beanspruchen. Ganz nebenbei stellt die portugiesische Auswahl, mit dem viermaligen Weltfußballer Christiano Ronaldo auch den Rekordspieler (21 Spiele) und gleichzeitig den Rekordtorschützen (neun Tore) der EM-Geschichte.

Auch die deutsche Nationalmannschaft hat somit ihren festen Platz in der Geschichte der UEFA EURO. Seit 1972 nahm immer ein deutsches Team an der Europameisterschaft teil, das Team hält viele Rekorde. Zuletzt gelangen in der Qualifikation zur EM 2012 zehn Siege in zehn Pflichtspielen, im Turnier selbst zum ersten Mal einer Mannschaft drei Siege in drei Gruppenspielen. Keine andere Mannschaft konnte sich so häufig für die Endrunde qualifizieren. Vier Mal stellten die Deutschen den Torschützenkönig des Turniers, zuletzt allerdings 1992 (Karl-Heinz Riedle). Lediglich drei Mal (1984, 2000 und 2004) musste „Die Mannschaft“ schon nach der Vorrunde heim fahren. Bei den übrigen neun Teilnahmen wurde aber immer mindestens das Halbfinale erreicht, sechs Mal sogar bestritt man das Finalspiel. Unumstritten ist kaum eine europäische Elf so eng mit der Erfolgsgeschichte der EM verflochten wie die deutsche Nationalmannschaft. Schon der Fakt allein spricht für eine Austragung der EURO 2024 in der Bundesrepublik, nach immerhin 36 Jahren Abstinenz als EM-Gastgeber.

Fifaweltranglisten PlatzLand
3Deutschland
5Belgien
7Frankreich
8Portugal
10Spanien

Auch wenn sich aus heutiger Sicht nur schwer etwas über Favoritenrollen im Jahr 2024 sagen lässt, lohnt ein Blick in die derzeitige Weltrangliste. Die deutsche Nationalmannschaft avanciert hier als amtierender Weltmeister auf Platz drei und vor allen anderen Mitgliedern der UEFA, wenig dicht gefolgt von Belgien, Frankreich, Portugal und Spanien. In der aktuellen UEFA-Fünfjahreswertung liegen lediglich die zuletzt weniger erfolgreichen Spanier vor Deutschland auf Platz eins, dicht gefolgt von den Teams aus England, Italien, Portugal und Frankreich. Eine eindeutigere, wenn auch sehr trocken-statistische, Sprache spricht die ewige Endrunden-Tabelle, in der die Spiele aller EM-Endrunden zusammengefasst werden und in der die deutsche Nationalmannschaft wiederum seit Jahren unangefochten auf Platz 1 liegt.

Sollte der DFB also Ende kommenden Jahres tatsächlich den Zuschlag für die EURO 2024 erhalten, gilt Deutschland spätestens dann als der Top-Favorit für die 17. EM der UEFA-Geschichte. Und die Wahrscheinlichkeit scheint so gering nicht, spricht doch einiges für den aktuellen Weltmeister-Verband. Deutschland kann für eine eventuelle Austragung nunmehr auf sieben Stadien der UEFA-Kategorie 4 zurückgreifen, was derzeit kein anderer europäischer Mitgliedsverband schafft. Nichtsdestotrotz gilt die gemeinsame Bewerbung der vier nordischen Staaten als gefährlichster Konkurrent der DFB-Kandidatur,  auch wenn es vor allem auf norwegischer und finnischer Seite noch an ausreichend großen Spielstätten mangelt. Der Favoritenrolle der deutschen Nationalmannschaft im europäischen Vergleich jedoch, sollte dieser Umstand wenig Bedeutung beimessen.